Bergführer - damals und heute

Seit jeher üben die Berge eine große Faszination auf die Menschen aus. Die Gipfel erheben sich oft weit über die Schneegrenze hinaus. Kein Wunder, dass Berge Beinamen wie „Weltalte Majestät“ (der Großvenediger) erhielten und sie den Wunsch weckten, diese Majestäten zu bezwingen.
Oft war eben dieses Bezwingen jedoch mit viel Mühsal und großen Gefahren verbunden. Anfangs existierten im Gebirge außerhalb der von den Bergbauern benutzten Gebiete kaum oder gar keine Wege oder gesicherte Routen, und auch Jäger, die dem Hochwild nachjagten, wanderten ohne gekennzeichnete Pfade. Dies machte die Besteigung der Berge zu schwierigen Unterfangen, die ohne Zweifel die Bezeichnung „Expeditionen“ verdient haben.
Den Beginn zum Gipfelsturm in den Tauern machten Gäste aus dem Alpenvorland, die jedoch kaum Kenntnis vom jeweiligen Gelände und den damit verbundenen Gefahren hatten. So nahmen sie sich ortskundige und mit den Bergen vertraute Führer mit. Diese entstammten der einheimischen Bevölkerung und waren meist Bauern oder Jäger, die durch ihre Berufe bereits Erfahrung im Aufstieg in unwegsamem Gelände hatten. Trotz dieser Führer brauchte es oft mehrere Versuche, bis ein Berg bezwungen war, was jedoch die Bedeutung der Bergführer nur unterstrich.
Seit den frühen Jahren des Alpinismus hat sich die Bedeutung des Begriffes „Bergführer“ stark gewandelt. Waren es am Anfang großteils durch ihre persönlichen Erfahrungen in den Bergen geschulte Führer, die ihre Ausbildung sozusagen von Meister zu Lehrling weitergaben, so übernehmen heute staatliche Organisationen, wie die Bergsportakademie Innsbruck, die Ausbildung der „Fachleute am Berg“. Auch der Aktionsradius der Bergführer hat sich gewandelt, vom anfangs ortsgebundenen, hauptsächlich im heimischen Umfeld agierenden Führer zu einem, der mit seinen Gästen sowohl in den Hohen Tauern, als auch im gesamten Alpenraum und teilweise in der ganzen Welt unterwegs ist. Zudem kommen neue Aufgabenbereiche und der Beruf des Bergführers gewinnt zusehens an Vielfalt. Eisklettern, Hochseilgärten, Canyoning, Hochtouren und Freeclimben sind nur eine Auswahl der Angebote, die heute zu finden sind.

Nach dem gescheiterten Versuch des Erzherzogs kehrte zuerst einige Jahre Ruhe ein. Während in dieser Zeit fast alle anderen hohen Berge der Ostalpen bestiegen wurden, war der Großvenediger im Jahre 1841 immer noch bergsteigerisches Neuland. Als schließlich Ignaz von Kürsinger, Pfleger von Mittersill, einen neuen Versuch wagte, suchte er sich zuvor kompetente Führer, die mit den Bergen vertraut und im Gelände erfahren waren. Diesmal stieg man nicht direkt über die Nordwestseite her zum Gipfel, sondern die 26 Mann starke Gruppe wählte unter der Leitung der von Kürsinger ausgewählten Führer den Weg über die Venedigerscharte und den Südkamm. Die Besteigung glückte und tatsächlich hatte Kürsinger damit nicht nur eine große bergsteigerische Leistung erbracht. Indem der die Besteigung des Großvenedigers als „Pinzgauer Nationalangelegenheit“ in der Bezirkszeitung ausgeschrieben hatte, war der Einheimische plötzlich nicht mehr nur ein als Führer und Träger  engagiertes Hilfspersonal. Neben den aus der Stadt angereisten „Herren“ kam ihm eine gleichberechtigt mitgestaltende und tragende Rolle bei der Erstersteigung zu.

Gründung des Alpenvereins

In den Folgejahren schritt die Erschließung des alpinen Raumes weiter voran. Mit der Gründung des Alpenvereines (Sektion Salzburg, 1869) wurde das Bergführerwesen in den Talorten organisiert und die ersten Bergführerkurse veranstaltet. Die dort ausgebildeten Bergführer erhielten zudem jeder ein Führerbuch, in dem Daten zu ihren Touren verzeichnet wurden. Zusätzlich zur Ausbildung der Bergführer selbst übernahm der Alpenverein auch andere wichtige Funktionen. Er organisierte die Erschließung noch unbegangener Gebiete und den Ausbau des schon vorhandenen Wegenetzes. Auch wurden unter seiner Aufsicht Schutzhütten errichtet oder schon bestehende Hütten ausgebaut.

Aufschwung des Bergtourismus

Einen ersten Aufschwung verzeichnete der alpine Tourismus in den Jahren um 1900. Die zunehmende Erschließung der Berge durch Wege und Hütten, aber auch die verbesserte Infrastruktur in Form von neu entstandenen oder ausgebauten Gasthöfen und Hotels und der Pinzgaubahn, machten die klassische „Sommerfrische“ in Verbindung mit Bergsteigen unter kompetenter Führung zu einer beliebten Attraktion. Vorerst gebremst wurde diese Entwicklung durch die beiden Weltkriege, in denen viele Bergführer, die aufgrund ihres Könnens an schwierigen Fronten und in Spezialeinheiten gefragt waren, ihr Leben verloren und durch die auch die Organisation der Alpenvereine größtenteils verändert wurde. Nach dem Krieg regenerierte sich der Bergtourismus anfangs nur langsam, später aber mit zunehmender Geschwindigkeit.

Bergführervereinigung Oberpinzgau

Bereits in früherer Zeit gab es in den bedeutenden Führerstandorten (z.B. Kals, Heiligenblut, Vent im Ötztal) lokale Bergführervereine, die die Interessen der Bergführer nach außen hin vertraten. Im Pinzgau jedoch konnte sich, bedingt durch die geografische Weitläufigkeit der Region, nie ein örtlicher Verein etablieren. Die einzelnen Bergführer verteilten sich über ein großes Gebiet, anstatt sich wie in anderen Regionen in einzelnen Gemeinden zu konzentrieren, und sie organisierten sich großteils selbstständig oder in kleinen Gruppen. Dies änderte sich erst 2001 mit der Gründung der Bergführervereinigung Oberpinzgau, deren Mitgliedschaft jedoch aufgrund der geografischen Gegebenheiten auch für Bergführer außerhalb des Pinzgaus offen ist. Seither hat sich die Anzahl der Mitglieder – bei der Gündung waren es 17 – beinahe verdoppelt. In den letzten Jahren entwickelte sich durch die zunehmende Beliebtheit des Bergsteigens eine wünschenswerte Eigendynamik und sehr viele junge Alpinisten – und 2013 auch erstmals im Oberpinzgau eine Frau – nahmen die Ausbildung zum Bergführer in Angriff und konnten sie auch erfolgreich abschließen. Dabei entstand eine wertvolle Verknüpfung des klassischen Bergsteigens mit den neuen Sportarten (z.B. Freeclimben, etc.), die dafür Sorge trägt, dass das Bergführerwesen auch in kommenden Jahren sehr gefragt ist.